Erste Tage – Teil 2

Science & Natural History Museum

Man stelle sich einen riesigen, futuristischen Gebäudekomplex mit Kugel in der Mitte vor. Schon von Weitem ist das Ganze spektakulär anzusehen, und in ein Ensemble von noch mehr riesiger Betonarchitektur eingebettet. Das Innere blieb dann etwas hinter den Erwartungen zurück: Der Naturteil ist ein begehbares Diorama von allen möglichen Biotopen, also im Grunde Natur, ohne die ganzen nervigen Sachen, der Wissenschaftsteil ist überschaubar und wartet vor allem mit Experimenten auf, deren didaktischer Nutzen angezweifelt werden darf, die dafür aber zumindest lustig sind. Moore’s Law mit Hilfe von drei Generationen „Need for Speed“ zu erklären ist denn auch eine Art der Wissensvermittlung, die ich mir mit 10 Jahren sicher auch gewünscht hätte, die aber wohl nur Chinesen in den Sinn kommen kann.

Hinkommen: An der gleichnamigen Metrostation aussteigen, das langgestreckte Gebäude mit einer Kugel in der Mitte.

Pudong

Eingebettet wird das Museum von Pudong (wörtlich: Westliche Flussseite), dem ultramodernen Reissbrettviertel von Shanghai. Pudong hinterlässt den Beigeschmack, die chinesische Interpretation von Manhattan zu sein, allerdings in einer sortierten, begradigten und innerhalb von ein paar Jahren nach vom Parteibüro abgenickten Plänen auf einer grünen Wiese aus dem Boden gestampften Form.

Shanghai Museum

ist eine am „Platz des Volkes“ gelegene, Beton gewordene Unterrichtsstunde in Sachen chinesischer Kultur. 4 Etagen voller Keramik, Münzen, Kalligraphien, Zeichnungen aus allen Epochen chinesischer Besiedlung. Beschriftung teils leider nur in mäßigem Englisch und oft genug ohne bereits vorhandene, umfangreiche Kenntnisse in chinesischer Geschichte nicht sonderlich hilfreich. Immerhin: Die Tuschezeichnungen kann man sich auch ohne Hintergrund ziemlich gut angucken, und bei gesteigertem Interesse lässt sich da locker ein Tag drin zubringen. Oder man geht, so wie ich, einfach irgendwann nochmal hin, der Eintritt ist nämlich kostenlos.

Foreign Languages Bookstore

Ganz in der Nähe des Platzes des Volkes, in der Fuzhou Rd., die sowas wie das Schreibwarenviertel zu sein scheint, jedenfalls reihen sich hier Bücherläden an große und kleine Geschäfte voller Papierwaren, Kalligraphiepinsel, Stifte und jeder Menge anderem Kram. Der Foreign Languages Bookstore ist übrigens nicht zu verwechseln (so geschehen: mir) mit dem Shanghai International Bookstore, der nur 100m entfernt auf der selben Straße liegt und noch viel größer ist, bis auf eine kleine Sektion aber nur chinesische Bücher hat. Die Abteilung für Chinesisch-Lehrbücher lässt allerdings keine Wünsche offen, und das bei akzeptablen Preisen. Im Foreign Language Bookstore gibt es derweilen, total untypisch, fast nur importierte Originale zu den selben oder höheren Preisen wie zu Hause. Ich hatte mir darunter eher sowas wie die professionalisierte Kaufhaufsversion der fliegenden Händler mit den Schwarz-Weiss-Kopien westlicher Klassiker (oder was man dafür hält. Mich überkommt immer noch ein leichter Schauder wenn ich daran denke, wie mir in Indien, durch die Taxischeibe, „Mein Kampf“ zusammen mit Anne Franks Tagebüchern offeriert wurden.) und einer reichen Auswahl an Lonely-Planet-Reiseführern.

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Elias Verfasst von:

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