Erste Tage – Teil 1

Meine ersten Tage in Shanghai habe ich in einem Hostel mit dem schlechtesten Internet auf diesem Planeten zugebracht, deshalb waren die Updates auch eher spärlich. Seit heute habe ich mein Zimmer im Studentenwohnheim auf dem Campus bezogen, es gibt schnelles Internet, ich kann problemlos Mails schreiben, und sogar mein TU Berlin-VPN funktioniert hier. Himmel!

Daher gibt es die Neuigkeiten der letzten Tage also gleich in gesammelter Form. Das Wetter war anfangs anfangs in etwa so, als würde die Stadt unter einer riesigen Klimaanlage stehen. Leider unter dem Ende, aus dem die heiße, feuchte Luft kommt. Die Luftfeuchtigkeit war so unglaublich hoch, dass meine Kamera beim aus der Tasche nehmen als Erstes beschlagen ist, und das selbe mit mir passiert ist, so bald ich mich bewegt habe. Zum Glück ist das mittlerweile etwas besser, vielleicht kündigt sich hier also auch langsam der Herbst an, und anders als in Deutschland finde ich das auch gar kein bißchen schade.

Ankunft

Egal was ich vorher erzählt habe, 3 + 9 Stunden eingequetscht in einem engen Flugzeugsitz sind genug. Besonders, da die Airline meine Freude über den durch nonchalantes Umsetzen ergatterten Doppelsitzplatz durch unergonomische Armlehnen ein jähes Ende bereitete. Ungetrübter Liegspass bleibt nun mal aus, wenn selbige sich nur bis 45° nach oben klappen lassen.

Metro fahren

Das Metrosystem in Shanghai ist tatsächlich unglaublich gut. Man kauft eine Karte mit RFID-Chip, die mit Guthaben aufgeladen wird, hält diese an ein Lesegerät am Eingang der Station und geht durchs Drehkreuz. Am Ende der Fahrt macht man das selbe nochmal, und der Fahrpreis, meist irgendwas zwischen 0,50 und 1€, wird direkt vom Guthaben abgezogen. Vom Flughafen in die Innenstadt kann man außerdem Transrapid fahren, etwas, das sich der passioniert Nerd in mir keinesfalls entgehen lassen konnte. Die Strecke ist zwar einigermaßen sinnlos, da die Metro die selbe Strecke fährt, wenn auch langsamer, dafür für einen Bruchteil der Preises. Mit 40RMB, also knapp 6€, kann man dem Magnetschwebezug aber ehrlicherweise auch nicht gerade astronomische Preise vorwerfen. Das Geheimnis des Ein- und Aussteigens in die Metro besteht übrigens in höflichem, aber bestimmtem Drängeln, da hier beides gleichzeitg stattfindet und man sich also jedes Mal durch eine Wand von Menschen kämpfen muss. Das Ergattern von Sitzplätzen ist dagegen eine rein chinesische Kulturtechnik: Intuitiv erfassen, wann jemand aussteigt, den eigenen Po in Stellung bringen und so bald der Sitzplatz frei ist elegant nach hinten fallen lassen. Für maximale Punktzahl: Das Ganze ohne ein einziges Mal den Blick vom Smartphone zu heben. Ich als langjähriger Berliner Ringbahnnutzer habe diesbezüglich hier meine Meister gefunden.

The Bund

Der Touristen-Hotspot von Shanghai. Touristen sind hier übrigens vor allem Chinesen. Die meisten Westler, die ich getroffen habe, sind hier um zu studieren, zu arbeiten, oder die Sprache zu lernen, und fast alle sind für längere Zeit hier. Den klassischen Backpacker trifft man selten, was auch daran liegen mag, das China verglichen mit den meisten anderen asiatischen Ländern eher teuer und Englisch selbst in Touristengegenden immer noch kaum verbreitet ist. The Bund, das sind einige durchaus beeindruckende Kolonialbauten, eingeklemmt von Wolkenkratzern und einer unglaublichen Menge von Shopping Malls (und noch mehr Menschen). Die zentrale Shoppingmeile endet in einer Promenade am Wasser (mit noch viel mehr Menschen) und Blick auf die Skyline von Pudong, auf der anderen Seite des Flusses. Selfies bitte hier machen.

Hinkommen: Mit der Metro bis Peoples Square, dann einfach der Einkaufsmeile (Nanjing Rd.) folgen.

Old Town

Der andere Touristen-Hotspot. Mit der Bezeichnung „Old Town“ kann eigentlich nur gemeint sein, dass es sich um die einzige Bebauung mit weniger als 16 Geschossen im Umkreis von 5km handelt. Die Touristenmeile, die tatsächlich irgendwie an die Architektur des alten Shanghai angelehnt ist, besteht dabei aber vor allem aus Jiaotse-Restaurants (Jiaotse sind allgegenwärtige gedämpfte Fleischklößchen) und Läden, die einen repräsentativen Querschnitt durch den gesammelten Plastikkram den diese große Nation momentan produziert feilbieten: Plastikspielzeug (bevorzugt solches, das blinkt und laute Geräusche macht), Quadcopter, Dekokram und Selfie-Sticks. Vor allem Selfie-Sticks. Wohing man blickt. Verlässt man das Epizentrum findet man sich glücklicherweise recht schnell in Seitenstraßen wieder, die tatsächlich einen gewissen Charme ausstrahlen, wobei meine Ansprüche in einer Stadt, die ihre Vergangenheit so restlos und endgültig eingeebnet hat um die Trümmer ins Meer zu schieben und auf dem frei gewordenen Platz eine unglaubliche Anzahl an Wohn- und Geschäftszweckbauten zu errichten, wie Shanghai das getan hat, auch eher moderat sind.

Hinkommen: Mit der Metro bis Yuyan Gardens

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Elias Verfasst von:

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